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  • Mila Olsen

Social Media - eine Welt voller Schreihälse?

Social Media ist das neue Crack


Kurz und schmerzlos. Social Media macht süchtig. Wir nehmen das Handy überall hin mit, sogar aufs Klo und ins Bett. Ich für mich habe festgestellt, dass ich mich wesentlich besser fühle, wenn ich nicht ständig sehe, was wer wann wo und mit wem und warum macht.


Als Autorin habe ich hauptsächlich Autoren und Blogger abonniert, und wenn ich in meinen Feed schaue, sehe ich nur Bücher-Bücher-Bücher. Okay, mein Problem, ich könnte ja auch Modeblogger oder den Wendler abonnieren, aber das ist nicht das Problem. Es ist in jeder Branche so. Die Posts werden sich immer ähnlicher, was heute für einen funktioniert, imitieren dann morgen alle. Vielleicht nutzen auch alle den gleichen Social Media Planer, keine Ahnung.


Selbstbeweihräucherung auf Facebook und Co.


Ich habe jetzt zwei Möglichkeiten. Ich kann natürlich die Hälfte der Profile rausschmeißen, aber ich mag die Menschen dahinter. Ich könnte als zweite Alternative nicht mehr reinschauen, aber dann bekomme ich endgültig nichts mehr mit. Ich habe mir es daher zum Ziel gemacht, weniger Zeit als vorher mit Social Media zu verbringen; und ich merke, es tut mir gut. Ich muss nicht ständig sehen, wer wen beweihräuchert, um in der nächsten Sekunde über denjenigen zu lästern (er hat den Namen meines Protas geklaut! Und mein Land!) und wie politisch korrekt und hilfsbereit alle ständig sind. Ich werde misstrauisch, wenn Leute sich ständig (manchmal ist ja okay) selbst in den Himmel heben. Und ich finde Posts zu politischen und moralischen Themen wichtig, aber sie haben für mich oft den faden Beigeschmack, dass sie nicht der Sache, sondern dem eigenen Image dienen. Was sind wir doch alle gute Menschen! Sind wir das denn?

Und was steckt hinter all dem Hinterherhuren nach Likes und Aufmerksamkeit?


Jeder Post ein Pokerspiel


Natürlich sind nicht alle Menschen, die ihre Werke lobpreisen, tatsächlich so von sich eingenommen. Oft steckt auch Unsicherheit dahinter. Die wird übrigens auch thematisiert: Hilfe, ich bin in Wahrheit so schüchtern, aber ich poste das Nacktfoto trotzdem. Ja, warum denn?

Hier greifen Ursache und Wirkung. Wenn ich das Auto starte, kann ich losfahren; wenn ich einen Post mache, bekomme ich Feedback. In dem informativen Buch von Adam Alter Unwiderstehlich steht nicht nur, dass jeder Like eine Dopamin-Ausschüttung zur Folge hat, sondern auch, dass die Unberechenbarkeit, wie ein Post ankommt, diesen Faktor noch erhöht. Jeder Post ist wie ein Pokerspiel, bei dem die Menge der Gefällt-mir-Angaben über die Beliebtheit entscheidet. Und das ist die Droge, denn unser Gehirn ist einem Belohnungssystem unterworfen. Nucleus accumbens heißt das Lustzentrum im Vorderhirn; es ist dafür verantwortlich, dass wir Freude und Glück empfinden, wenn wir unser Lieblingseis essen oder eben Likes bekommen.


Die Sucht nach Beschäftigung


Aber nicht nur Dopamin & Co sind mitverantwortlich dafür, dass wir ständig auf Facebook, Instagram etc. herumscrollen (okay, einige trollen auch). Menschen streben nach Beschäftigung. Dieses Bedürfnis reicht so tief, dass sich manche Probanden bei einem Experiment selbst Stromstöße zufügten, obwohl sie diese vorher als unangenehm empfunden haben. Besser Elektroschocks, als in einem leeren Raum gar nichts tun, war das Ergebnis. So lässt sich auch bei Workaholics die Arbeitssucht erklären, die bei manchen tödlich endet (die Japaner erfanden 2011 ein Wort dafür: Karoshi, Tod durch Überarbeitung). Seltsam war, dass niemand die Menschen gezwungen hatte, so hart zu arbeiten. Da wir also alle nach Beschäftigung suchen, ist es naheliegend, warum wir so viel auf Insta und Co abhängen. Wir wollen spielen.


Man kann, man soll, man müsste ...


Ich rede hier von Menschen, man und wir, aber natürlich meine ich mich, und ich bin dabei nicht mal besonders häufig im Netz und poste viel seltener als andere. Trotzdem habe ich gemerkt, dass mich Social Media immer mehr unter Druck setzt und mir auch Zeit stiehlt, die ich lieber in meine Bücher stecke oder in meine Gedanken, so wie hier. Leider funktioniert es für Autoren nicht, ganz auf Social Media zu verzichten, zumal die Maschinerie in Form von Angstmacher-Posts nicht lange auf sich warten lässt:


Ohne Newsletter ist heute niemand mehr erfolgreich!

Ohne Marketing läuft nix!

Du musst jeden Tag mindestens eine Story posten und vier Beiträge pro Woche!


Okay, ich habe keinen Newsletter. Es hat bei den letzten Büchern aber trotzdem für mehrere Wochen Top 100 gereicht. Und ich habe nicht jeden Tag eine Story gepostet und nicht jede Woche eine Zahl X an Beiträgen.

Falls du Autorin bist: Lass dich nicht von den Social-Media-Gurus verrückt machen. Ich kenne eine Autorin, die verhältnismäßig wenig Likes auf ihre Posts bei Insta und Facebook bekommt, und sie verkauft trotzdem gut. Sie kommt mühelos immer in die Top 30. Eine andere bekommt manches Mal über 600 Likes, aber ihr Buch ging unter.


Ich schließe heute mit den Worten von River Phoenix aus dem unvollendeten Film DARK BLOOD:


»Amerika ist voller Schreihälse, und jeder will gehört werden.«

Wer den Film nicht kennt, folgt dem Link, ich werde dafür nicht bezahlt :-). Ich fand River Phoenix darin sehr beeindruckend.

Aber genauso geht es mir, wenn ich mir viele Posts ansehe. Wer schreit am lautesten? Wer performt am besten? Wer sieht wen?


Wäre ich eine Professionelle ...


Wäre ich jetzt professioneller Blogger, hätte ich diesen Beitrag nicht einfach runtergetippt und mich um einen besseren roten Faden bemüht. Ich hätte ihn mehrfach überarbeitet, aber darum geht es mir ja nicht. In meinem ersten Post sagte ich, das hier solle eine Art lebendiges Tagebuch sein, wo ich mehr oder weniger reflektiert meine Gedanken niederschreibe. Was mich gerade beschäftigt und interessiert. Und so mache ich es weiterhin.


In diesem Sinne



CARPE DIEM

Mila


#milaolsen #socialmediamachtsüchtig #nurmeinemeinung #lebelieberungewöhnlich #darkblood

©2020 by Mila Olsen  | Uta Maier, Apfelstraße 7a, 69517 Gorxheimertal, 06201/293104 Datenschutzbestimmung

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